Die Existenz der Haut

Deutschlandradio Kultur / 2014 / 50 Min


Die Schauplätze sind Paris und ein Todeszug. Die Schauplätze sind Marguerite Duras und Robert Antelme.

Während er von KZ zu KZ transportiert wird, wartet sie auf ihn in ihrer Wohnung. Beide sind sie Gefangene, beide im Ausnahmezustand. Beide versuchen sie ihre Situation schreibend festzuhalten. Die Sprache des Krieges festzuhalten: Öffentliche Kriegsrhetorik, aus allen Rohren der Guten wie der Bösen, Geplärre der großen und kleinen Männer, zielgerichtet und gewiss. Daneben unzählige zärtliche, empathische, kaum gesagte, mehr gedachte Sätze der Ungewissheit. Ungerichtet verlaufen sie sich im Sog der Ereignisse und werden von den Lautsprechern der Geschichte immer wieder übertönt.

Duras‘ und Antelmes Kunst ist es, diese leise, vielleicht weiblichere Sprache zu retten und ihr Raum im Kriegsgeschrei zu geben. Einen Raum, den sie mit Angst, Hoffnung, Zweifel, Liebe, Zugewandtheit, Scheitern und mit allem füllt, was den Menschen trotz allem ausmacht in Zeiten, wo das Menschliche abgeschafft werden soll, wo Kriegsrecht an die Stelle von Menschenrecht, Gewissheit an die Stelle von Ungewissheit tritt.

Audio – Collage unter Verwendung von Marguerite Duras´ Hefte aus Kriegszeiten und Der Schmerz, sowie Das Menschengeschlecht von Robert Antelme

 

Audio-Sample

 

Sibylle Canoica.                                                   Foto © Jonas Maron

 

CAST & CREDITS

Sprecher Sibylle Canonica, Alice Dwyer, Trystan Pütter und Konstantin Bühler

Musiker Blake Worrell (vox), Cobra Killer (vox), zeitblom (electronics)

Ton und Technik Hermann Leppich, Robert Stockowy

Regieassistenz Lydia Ziemke

Redaktion Ulrike Brinkmann

Realisation wittmann/zeitblom

Aufnahmen und Mischung @ Deutschlandradio Kultur

Ursendung 17. 08. 2014 Deutschlandradio Kultur